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„Als die Wälder auf Reisen gingen“
– schon der
Titel des Vortrags von Martin Spreng, Bundesvorsitzender der Deutschen
Flößerei–Vereinigung, sorgte für Neugier bei den Zuhörern.
Der Schwarzwaldverein Neubulach hatten Martin
Spreng eingeladen, um sich ein einprägsames Bild von der damaligen Zeit
der Flößerei machen zu können. Zunächst stand die Frage
im Raum: Was waren die Gründe für das Entstehen des Flößerhandwerks?
Holz wurde vor allem als Energieträger und zum Haus – und Brückenbau
gebraucht.
Für die langen und schweren Stämme aus
den waldreichen Tälern gab es damals aber noch keine geeigneten
Transportwege. Wie sollte das Holz also an die Orte kommen,
wo es bearbeitet - und verarbeitet werden konnte – insbesondere in die
Städte entlang des Rheins? Und so kam es dazu, in unserer Region das
Wasser für den Transport nutzbar zu machen – die Flößerei entstand.
Heute als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt, begann ihre
Entwicklung Mitte des 14. Jahrhunderts: 1342 kam es zum Vertrag
zwischen Baden und Württemberg zur Nutzung und Regelung der Flößerei
auf Enz, Nagold, Würm und Neckar. Seine Blütezeit erlebte das Flößerhandwerk nach dem Ende des 30jährigen Kriegs und mit dem „Westfälischen Frieden“.
Für den enormen Aufbruch in Europa brauchte es jede Menge Holz. Neben dem schon
erwähnten Haus- und Brückenbau, wurde Holz jetzt bis nach Holland
transportiert und dort für den Aufbau einer Handels– und Schiffsmacht
genutzt. „Holländer Tannen“ nannten die Flößer besonders große und
gerade gewachsene Stämme, die als Masten für die Schiffe gebraucht
wurden.
1691 und 1692 sind jeweils 1000 Stämme Floßholz durch das
Nagoldtal bis nach Holland geflößt worden und 1715 waren es dann
bereits 14000 Stämme, die auf dem Wasserweg nach Holland gingen.
Abschließend erzählte Martin Spreng - unterlegt mit Zeichnungen und
Fotografien aus der damaligen Zeit - sehr anschaulich, über die oft
abenteuerlichen Reisen der Flößer auf Enz, Nagold und Würm.
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Viele Staustufen und auch Biegungen
mussten in den engen Tälern auf dem Weg nach Pforzheim überwunden
werden, um das bis zu 285 Meter lange Floß, von nur 4 Flößern gesteuert, an dieses
Zwischenziel zu bringen. Von dort ging es auf der (großen) Enz über
Neckar und Rhein nach Holland.
Der Bundesvorsitzende der Deutschen Flößerei–Vereinigung empfahl allen
Interessenten noch eine Besichtigung der Monhardter Wasserstube im
Rahmen einer Führung. Die Wasserstube wurde originalgetreu restauriert
und soll dokumentieren, wie die Wasserwege genutzt und große Mengen
Holz aus dem Schwarzwald transportiert worden sind.
Ein Wiedeofen steht
dort ebenfalls bereit. In ihm wurden dünne und etwa 5 Meter lange
Stämmchen in Wasser gelegt und erhitzt, damit danach Holzwieden
(Holzseile) gedreht werden konnten, die zum Einbinden der Flöße
verwendet worden sind.
Die Mitglieder und Freunde des
Schwarzwaldvereins bedankten sich mit einem Präsent bei Martin Spreng für seinen interessanten und sehr
anschaulichen Vortrag, mit dem er das Flößerhandwerk an diesem
Nachmittag wieder in Erinnerung rief.

Bilder aus Digitalarchiv Martin Spreng
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